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Der Jakobsweg: Ein Reiseführer für Pilger

"Der Weg ist das Ziel" ist bei einer Pilgerreise mehr als nur eine daher gesagte Phrase, sondern viel eher Programm. Doch was bewirkt das Pilgern? Und was bewegt so viele Menschen dazu, sich mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken auf eine derartig mühevolle Reise zu begeben? Hier findet ihr die wichtigsten Informationen und Tipps für diese ganz besondere Lebenserfahrung.

Pilgern beruht ausschließlich auf einer religiösen Motivation? Falsch! Denn das Pilgern auf dem Jakobsweg hat heutzutage die unterschiedlichsten Gründe. Genau genommen gibt es auch nicht nur „den einen“ Jakobsweg sondern viele verschiedene Wege, die zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela führen. Welcher der richtige Jakobsweg für euch ist, worauf ihr beim Pilgern achten solltet und warum diese Erfahrung euer Leben verändern könnte, zeigen wir euch in diesem Artikel!

Die beliebtesten Routen des Jakobsweges

Der Jakobsweg gehört ohne Zweifel zu den wohl weltweit berühmtesten Pilgerwegen und wird bereits seit über 1.000 Jahren bewandert. Zwar könnt ihr den Jakobsweg nach Santiago de Compostela auch direkt von eurer Haustür starten, jedoch sind mit den Jahrhunderten wichtige Routen mit eigenen Namen entstanden, die heutzutage als Anlaufstelle für tausende von Pilgern aus aller Welt dienen. Welchen Weg würdet ihr wählen? Hier stellen wir euch die wichtigsten Routen und ihre Eigenschaften vor.

Name des WegesStartpunktDistanzSchwierigkeitDauer
1. Camino FrancésSaint-Jean-Pied-de-Portca. 783 kmLeicht bis mittelschwerca. 4-5 Wochen
2. Camino PortuguésPortoca. 232 kmLeichtca. 12-14 Tage
3. Camino del Norte (Küstenweg)Irunca. 815 kmMittelschwer bis schwerca. 5-6 Wochen
4. Camino PrimitivoOviedoca. 321 kmsehr schwerca. 3 Wochen
5. Camino InglésFerrolca. 122 kmMittelschwerca. 5-7 Tage
6. Via de la PlataSevillaca. 967 kmMittelschwerca. 6-7 Wochen

1. Camino Francés – abwechslungsreich und kulturträchtig

✈️ Anreise: Ihr müsst einen Flug von Deutschland nach Biarritz buchen und von dort aus mit dem Zug, Bus oder Taxi in das etwa 52 km entfernte Saint-Jean-Pied-de-Port fahren.

Der Camino Francés gilt als der Jakobsweg und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn also vom Jakobsweg die Rede ist, ist höchstwahrscheinlich der Hauptweg durch Nordspanien gemeint. Mehr als 60% aller Pilger starten Jahr für Jahr ihre Pilgerreise von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich, wandern von dort über die Grenze nach Spanien und durchqueren verschiedene Regionen und Klimazonen bis sie schließlich in Santiago de Compostela in Galizien ankommen. Dank seines Bekanntheitsgrades ist der französische Weg gleichzeitig der touristisch erschlossenste, weshalb ihr mit vielen Herbergen und einer guten Wegweisung rechnen dürft. Zudem bietet euch das reiche kulturelle Erbe Nordspaniens, die malerischen Berg- und Waldlandschaften und die grünen Weinregionen Abwechslung pur! Worauf wartet ihr noch?

💡 Tipp: Aufgrund der Pilgerströme und der Hitze während der Sommermonate empfehlen wir euch den Camino Francés im Frühjahr oder Herbst zu pilgern.

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2. Camino Portugués – malerisch und angenehm

✈️ Anreise: Ihr könnt von Deutschland aus einen direkten Flug nach Porto buchen.

Auch der zweitbeliebteste Pilgerweg nach Santiago startet nicht in Spanien. Der Camino Portugués beginnt in der portugiesischen Stadt Porto und führt gleichermaßen durch Portugal und Spanien. Hier habt ihr also die Möglichkeit zwei Länder und Kulturen gleichzeitig zu entdecken. Im Vergleich zum weitaus längeren Camino Francés ist der portugiesische Weg in zwei Wochen gut machbar und lässt sich somit gut in eurer Urlaubszeit planen. Der Weg führt anfangs entlang der traumhaften Küste Portugals, bis ihr in Caminha vor die Wahl gestellt werdet den Weg an der Küste bis Redondela fortzusetzen (Camino de la Costa) oder den traditionellen Weg durch das Landesinnere einzuschlagen (Camino Interior). Wir empfehlen ersteres, da die malerischen Küstenabschnitte und die frische Meeresluft des wilden Atlantiks ein Erlebnis für alle Sinne darstellen.

💡 Tipp: Der Camino Portugués eignet sich wunderbar für Einsteiger, denn das Höhenprofil des Weges ist weitesgehend flach und ihr müsst nur wenige Höhenmeter bewältigen.

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3. Camino del Norte – ruhig und naturverbunden

✈️ Anreise: Der nächstgelegene Flughafen ist in San Sebastián, wobei es aus Deutschland keine Direktflüge nach San Sebastian gibt. Die direkte Anreise nach Spanien ist über den deutlich größeren Flughafen in Bilbao möglich.

Der Camino del Norte wird auch als Küstenweg bezeichnet, da er immer wieder direkt am Meer entlang führt, und ist wie der Camino Francés landschaftlich unheimlich abwechslungsreich. Berge, Wälder, Wiesen, malerische Dörfer, kleine Hafenstädtchen und das rauschende Meer bieten eine wundervolle Kombination aus magischen Momenten, die eure Pilgerreise unvergesslich machen werden. Kein Wunder also, dass der Küstenweg als absoluter Geheimtipp unter den Pilgerwegen gilt. Im Gegensatz zum Camino Francés ist er nämlich relativ unbekannt und eignet sich somit perfekt für diejenigen unter euch, die sich beim Pilgern nach möglichst viel Ruhe und Naturverbundenheit sehnen. Doch Schönheit hat bekanntlich ihren Preis und ihr werdet sicherlich das ein oder andere Mal ganz schön aus der Puste kommen. Auf dem Küstenweg erwarten euch nämlich viele Höhenmeter, die es zu überwinden gilt, daher sind körperliche Ausdauer und genügend Zeit von großer Bedeutung.

💡 Tipp: Der Camino del Norte kann auch im Hochsommer noch relativ angenehme Temperaturen aufweisen und ist dank der frischen Meeresbrise stets angenehm zum Wandern.

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4. Camino Primitivo – Ursprünglich und anspruchsvoll

✈️ Anreise: Ihr könnt von Deutschland aus den Flughafen Oviedo/Asturias direkt anfliegen.

Wenn es einen Weg gibt, der für Ursprünglichkeit und wilde Natur steht, dann ist es der Camino Primitivo. Er ist der älteste Jakobsweg Spaniens und gleichzeitig auch der anspruchsvollste und herausforderndste. Kein Wunder also, dass nur etwa 4 % aller Pilger diese Route einschlagen. In regelmäßigen Abständen müsst ihr hier die Berge hoch und runter laufen – nicht selten müssen 800 Höhenmeter und mehr bewältigt werden – jedoch immer in Begleitung einer fantastischen Aussicht inmitten der Wolkendecke. Auf dem Weg sind keine großen Schlafsäle zu finden, eher überschaubare und kleine Herbergen, die eine angenehme familiäre Atmosphäre aufweisen. Eine tolle Möglichkeit also mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Ihr seid bergaffin oder sucht nach einer sportlichen Herausforderung? Ihr sehnt euch nach Ruhe und Zeit für euch und eure Gedanken? Dann seid ihr hier goldrichtig! ⚠️Aber Vorsicht: Im Herbst und Frühling kann es durchaus zu starken Regenfällen kommen und im Winter ist der Weg aufgrund von Eis und Schnee kaum begehbar!

💡 Tipp: Euer Budget ist recht knapp bemessen? Dann solltet ihr euch die üppigen Fünf-Gänge-Pilgermenüs für meist nur 10 Euro nicht entgehen lassen! Häufig wird euch zum Essen sogar eine ganze Flasche Wein serviert!

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5. Camino Inglés – kurz und knackig

✈️ Anreise: Ihr müsst einen Flug von Deutschland nach A Coruña buchen und von dort aus mit dem Zug oder dem Bus in das etwa 45 km entfernte Ferrol fahren.

Solltet ihr nur begrenzt Zeit zum Pilgern haben, ist der Camino Inglés eine wunderbare Wahl! Daher wird der Weg der Engländer immer häufiger als Alternative zum Camino Francés genutzt. Er verläuft in der nordwestlichsten Ecke Spaniens und weist gerade einmal 122 km auf! Sogar im Spazierschritt ist der Weg innerhalb einer Woche sehr gut machbar. Vor allem die ersten Kilometer sind leicht zu bewältigen und führen durch die schöne galizische Küstenlandschaft mit weiten Meeresbuchten, Eukalyptuswäldern und malerischen Fischerdörfern. Eine wahre Augenweide! Alternativ könnt ihr den Weg statt in Ferrol auch direkt in A Coruña starten, wodurch ihr etwa weitere 45 km einspart. Allerdings müsst ihr mindestens 100 km pilgern, um euch die Compostela – die Pilgerurkunde, die allen erfolgreichen Pilgern in Santiago de Compostela ausgestellt wird – auch wirklich zu verdienen. Daher sollte die Wahl des Startpunktes wohl überlegt sein!

💡 Tipp: Wenn ihr noch ein paar Tage an den Camino Inglés anhängen möchtet, bietet sich als Wegverlängerung anschließend noch der Camino nach Finisterre oder nach Muxia an, den ihr in drei bis vier Tagen meistern könnt.

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6. Via de la Plata – lang und eindrucksvoll

✈️ Anreise: Ihr könnt von Deutschland aus einen direkten Flug nach Sevilla buchen.

Zu guter Letzt stellen wir euch noch den längsten unter den Jakobswegen vor: Die Vía de la Plata mit knapp 1.000 km Länge. Zwar sind die Etappen weitgehend flach, doch müsst ihr euch hier auf lange Distanzen einstellen, da die Herbergen oft mehr als 35 km voneinander entfernt liegen. Ein weiteres Hindernis im Süden Spaniens ist das Klima. Sevilla, der Startpunkt des Weges, gehört nämlich zu den wärmsten Städten Spaniens und ganz Europas, weshalb ihr im Sommer nicht selten mit Temperaturen von über 40 Grad oder mehr im Schatten rechnen müsst! Daher ist der Weg im Frühling, Herbst oder gar Winter gut begehbar, im Sommer dagegen eine wahre Herausforderung für den Kreislauf. Die Via de la Plata besticht vor allem durch ihre ursprünglich erhaltene Natur und einige der schönsten Städte Spaniens, wie Sevilla, Salamanca, Mérida und Astorga. Hier wandert ihr über alte Römerstraßen vorbei an römischen Theatern, eindrucksvollen Aquädukten und monumentalen Kathedralen. Auch dieser Pilgerweg führt euch durch die unterschiedlichsten Klimazonen und Landschaften, langweilig wird euch hier also sicherlich nicht.

💡 Tipp: Angekommen in Galizien solltet ihr unbedingt das Nationalgericht der Region kosten, welches in ganz Spanien äußerst beliebt ist: Pulpo, zu deutsch Oktopus. Traditionell wird der Oktopus in Galizien gekocht und mit Paprikapulver, Olivenöl und Salz serviert.

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Gründe für eine Pilgerreise

Am Ziel in Santiago de Compostela angelangt werden die Pilger beim Ausstellen der Pilgerurkunde im Pilgerbüro in Santiago de Compostela zu den Beweggründen ihrer Pilgerreise befragt, bei denen zwischen religiösen, spirituellen und sportlichen Motiven differenziert wird.

Dabei ist in Zeiten der Schnelllebigkeit und des hohen Leistungsdrucks in der Gesellschaft der religiöse Hintergrund einer Pilgerreise zunehmend in den Hintergrund gerückt. Heute versuchen Menschen beim Pilgern vielmehr ihr seelisches Gleichgewicht und Wohlbefinden wiederzuerlangen. Einige Menschen machen sich etwa auf den Pilgerweg, um Abschied zu nehmen: von einer verstorbenen Person oder aber einer bestimmten Lebensphase. Andere suchen nach der Erfahrung der eigenen Grenzen oder sehnen sich nach Abenteuer und Improvisation, was der Jakobsweg tagtäglich bietet. Die Aufmerksamkeit wird auf die Gegenwart statt auf die Vergangenheit oder Zukunft gerichtet, da ihr vieles nicht planen oder vorhersehen könnt. Es ist eine ganz besondere Erfahrung, nämlich die im Hier und Jetzt zu leben.

Das Leben wird immer komplexer und man fühlt sich oft überfordert und orientierungslos. Wenn ihr also einen Tapetenwechsel braucht und euch eine Entschleunigung wünscht, dann ist eine Pilgerreise sicherlich eine tolle Sache.

💡 Tipp: Terminkalender? Weg damit! Der Lebensstil auf dem Jakobsweg ist einfach und ursprünglich und jeder Pilger muss lernen mit nur wenigen Dingen auszukommen!

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Die wichtigsten Fragen zum Jakobsweg

💪 Muss ich für den Jakobsweg trainieren?

Ihr solltet euch sicherlich einlaufen und ganz besonders die Schuhe, Socken und den Rucksack testen. Das Trainingspensum hängt auch zum großen Teil davon ab, welchen Weg ihr laufen wollt. Für den Camino Primitivo solltet ihr körperlich belastbar und fit sein, für den Camino Portugués dagegen reicht eine gute körperliche Gesundheit vollkommen aus.

📜 Was hat es mit dem Pilgerpass auf sich?

Ihr braucht zum Pilgern auf dem Jakobsweg einen Pilgerpass, der euch die Übernachtung in den günstigen Pilgerherbergen ermöglicht. Zusätzlich sammelt ihr darin Stempel von Cafés, Restaurants und Herbergen, die ihr auf dem Weg besucht und die beweisen, dass ihr den Weg auch wirklich gemeistert habt. Nur so kann euch die Compostela (die Pilgerurkunde) ausgestellt werden. Den Pilgerpass bekommt ihr entweder vor Ort in einer der Hauptanlaufstellen, oder bestellt euch vor Anreise online ein Exemplar.

⬆️ Wie gut ist die Beschilderung auf dem Jakobsweg?

Lasst das Navi und die Landkarte zuhause! Die Jakobswege in Portugal und Spanien sind in der Regel sehr gut markiert. Achtet auf gelbe Pfeile oder die Jakobsmuschel auf der Straße oder an einer Hauswand, die euch den Weg nach Santiago zeigen.

🏨 Wo kann man während der Pilgerreise schlafen?

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten: Pilgerherbergen, private Gasthäuser oder aber normale Pensionen. Die Pilgerherbergen sind ausschließlich den Pilgern mit Pilgerpass vorbehalten und bieten meist Betten für ab 6 Euro die Nacht an.

💵 Was kostet eine Pilgerreise?

Die Kosten variieren je nachdem, ob ihr in günstigen Pilgerherbergen übernachtet (ab 6 Euro) oder euch ab und zu auch eine private Unterkunft gönnt (ca.15-25 Euro). Auch die Preise für die Verpflegung sind, besonders für Pilger, eher günstig. Hinzu kommen Flugkosten und etwaige Kosten für eure Trekking- oder Wanderausrüstung.

👩 Kann ich den Jakobsweg als Frau allein gehen?

Natürlich! Viele Frauen gehen die Jakobswege allein und fühlen sich dabei stets sicher. Solltet ihr euch auf bestimmten Streckenabschnitten dennoch nicht ganz wohl fühlen, wie in einsamen Wäldern oder auf längeren Pfaden in den Bergen, bekommt ihr in der Regel sehr schnell Gesellschaft von anderen Pilgern. Denn wer nicht allein gehen möchte, findet immer gleichgesinnte Mitpilger.

🐚 Was hat es mit der Jakobsmuschel auf sich?

Die meisten Pilger tragen an ihrem Rucksack eine Jakobsmuschel. Die Jakobsmuschel dient als Symbol des Jakobus, des Patrons der Pilger. Die Muschel bekommt ihr haufenweise vor Ort, nicht selten sogar in den Pilgerherbergen. Auch am Straßenrand markiert eine Jakobsmuschel oft den Weg nach Santiago de Compostela.

💡 Tipp: Eine Wanderregel besagt, dass euer Rucksack nicht viel mehr als 10 % eures Körpergewichtes wiegen sollte. Höchstens plus 2 kg!

Ihr plant noch eine weitere Reise und möchtet nützliche Tools haben? Hier könnt ihr die beste Zeit zum Flüge buchen raussuchen und erfahrt, wie ihr mit der Monatssuche die besten Flüge findet.

Euch hat das Reisefieber gepackt? Hier findet ihr weitere Tipps:

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