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Die Hudson Family – Eine Familie auf Reisen

Auf Rucksackreise mit Kindern? - Aber klar! Nadine Hudson berichtet im Interview von ihren Erfahrungen

Unterwegs sein, nie lange an einem Ort bleiben, die Welt und ihre Kulturen entdecken und dabei viele interessante Menschen treffen. Das ist es, was auch Nadine Hudson, 41, immer wieder dazu bewegt hat, die Heimat zu verlassen und sich aufzumachen in die Fremde. Die Mutter von zwei Kindern hat schon über 60 Länder bereist – erst alleine, dann zusammen mit ihrem Mann und später mit der ganzen Familie. Seit Oktober 2011 lebt die Familie Hudson in Steinen in der Schweiz. Neben ihrem Blog HudsonFamily hat Nadine Hudson auch die Bücher „Das Streben nach ständiger Bewegung“ und „Handbuch Reisen mit Kindern“ geschrieben.

Frau Hudson, Sie haben schon über 60 Länder bereist. Wie alt waren Sie, als Sie das erste Mal Ihre Heimat verlassen haben und wo hat diese Reise angefangen?

Meine ersten Reiseerinnerungen gehen zu meinem dritten Lebensjahr zurück. Damals gingen wir oft campen. Schon mein Vater war ein Abenteurer. Als ich zehn war, fuhren wir mit unserem PW (ohne 4×4) durch die Sahara bis nach Niger runter.

© HudsonFamily

 

Die Geschichte, wie Sie Ihren Mann kennenlernten, ist eine ganz besondere. Schon 4 Stunden, nachdem Sie sich zum ersten Mal trafen, machte er Ihnen einen Heiratsantrag. Haben Sie sofort „JA“ gesagt?

Gesagt schon, gedacht nicht. Mein Verstand wollte „Nein“ sagen, mein Herz ließ ein klares „Ja“ entgleiten. Und das obwohl ich nie heiraten wollte! Das Argument meines zukünftigen Mannes „Warum warten, wenn du weißt, dass du die Richtige getroffen hast“, überzeugte mich wohl. Jetzt sind wir bald 16 Jahre glücklich verheiratet.

Sie waren mit Ihren Kindern unter anderem in China, Amerika und Ägypten. Für manche von uns ist es schon eine Herausforderung, einen Wochenendtrip mit Kindern zu organisieren. Wie können wir uns eine Rucksackreise mit kleinen Kindern vorstellen?

Eine solche Reise unterscheidet sich gar nicht so stark vom Familienalltag zuhause. Auch unterwegs versuchen wir einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf einzuhalten, um den Kindern den nötigen Halt zu geben. Wir reisen langsam, nehmen uns Zeit, verbringen Stunden auf Spielplätzen, Schulareals und an ruhigen Orten, wo die Jungs sich austoben und in Kontakt mit heimischen Kindern kommen können. Eine solche Reise bringt uns als Familie ganz nahe zusammen und schenkt uns Zeit füreinander. Das ist schön.

Zwischendurch haben Sie auch ein Hostel in China geführt. Wollten Sie dort mit Ihrer Familie sesshaft werden?

Als wir uns entschieden, diese Herausforderung anzunehmen, hatten wir plus/minus zwei Jahre im Sinn. Wir hatten aber in der Schweiz alles abgebrochen, um frei zu sein. D.h. hätten wir uns in China niederlassen wollen, wäre das möglich gewesen. Nach 2 ½ Jahren im Hostel in China brauchten wir aber dringend eine Pause und beschlossen noch mal auf Reisen zu gehen. Acht Monate USA/Mexiko folgten.

© HudsonFamily

 

In China haben Sie Ihre Kinder selbst unterrichtet. Was war das für eine Situation für die beiden Jungs? Haben Ihre Kinder nicht die Schule und ihre Freunde vermisst?

Unsere Kinder verbrachten einen großen Teil ihrer Kindheit unterwegs. Freunde machen war für sie immer einfach. Diese gehen zu lassen auch. Sie vermissten weder die Schule, noch die Schweiz. Die eigene Mutter als Lehrerin zu haben, ist aber nicht immer einfach. Ein großer Druck lag auf mir, es nicht zu vermasseln und den habe ich leider öfters an den Jungs ausgelassen. Als Desmond in die Frühpubertät kam war uns klar, dass er ab nun eine andere Bezugsperson brauchte. Der Entscheid die Kinder in der Schweiz einzuschulen, kam zur richtigen Zeit.

Nun leben Sie seit über einem Jahr wieder in der Schweiz. Warum haben Sie sich dazu entschieden wieder sesshaft zu werden? Fehlt Ihnen das Reisen oder genießen Sie die Beständigkeit?

Wir haben uns vor allem für unsere Jungs dazu entschieden. Aber auch für uns. In den über sieben Jahren unterwegs haben wir gelernt, dass wir trotzallem in der Schweiz zuhause sind und nur in unserem eigenen „Gärtli“ wirklich eine Veränderung erreichen können. Wir fühlten uns bereit, tiefer zu gehen und uns in einer Gesellschaft einzumischen, zu der wir doch irgendwie gehören. Unterwegs bleibt man oft an der Oberfläche und passt sich eigentlich fast immer der Umgebung an. In der Heimat können wir versuchen, kleine Veränderungen umzusetzen und den Menschen die wunderbare Welt näher zu bringen, Brücken zu schlagen und Vertrauen zu schenken.

© HudsonFamily

 

Neben Ihrem Blog arbeiten Sie an neuen Buchprojekten. Stehen auch hier die Reisen mit Ihren Kindern im Mittelpunkt?

Mein erstes Buch „Das Streben nach ständiger Bewegung“ schrieb ich vor allem für unsere Kinder und für Familien, die auch reisen möchten. Meine neuen Buchprojekte handeln davon, wie das Reisen mich verändert hat. Wie die guten und schwierigen Zeiten unterwegs den Menschen entstehen ließen, der ich heute bin. Ich habe so viel Glück erleben dürfen, unzählige herzberührende Begegnungen und Erlebnisse gehabt. Engel und Wunder angetroffen, aber auch Leid miterlebt. In China machten wir zudem Bekanntschaft mit der Mafia, mit der Polizei und mit viel Gewalt. Wir standen sogar unter Hausarrest, wurden in unserem Daheim angegriffen. Diese Erlebnisse will ich alle auf Papier bringen.

Das Streben nach ständiger Bewegung, so heißt eines Ihrer Bücher. Im Sommer letzten Jahres war die Familie Hudson für drei Wochen in Ägypten. Bleibt es nun erst einmal bei den Kurzreisen? Und wo zieht es Sie als Nächstes hin?

Ja, leider schon. Wir richten uns bis auf weiteres nach den Schulferien der Kinder. Die Jungs möchten im Moment vor allem Europa erkundigen. Das ist für sie faszinierend und fremd. Dieses Jahr wollen wir auf den Spuren der Römer gehen… Italien entdecken, Vulkane besteigen. Wer weiß schon, was die Zukunft bringen wird?

 

Titelbild: © HudsonFamily

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