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Digitales Nomadenleben: Travelicia im Interview

Felicia Hargarten lebt als digitale Nomadin. Im Interview erzählt sie über ihr unabhängiges Leben.

Felicia Hargarten hat im vergangenen Jahr den Schritt in ein ungewisses Leben gewagt – ein Leben als digitale Nomadin. Als Selbständige arbeitet sie von zu Hause aus, wobei das traute Heim überall auf der Welt sein kann, denn digitale Nomaden arbeiten dort, wo sie gerade wollen. In ihrem Blog „Travelicia“ gibt Felicia Ratschläge, um Einsteigern den Weg zum „Nomadenleben“ zu erleichtern.

Ihr Reise-Steckbrief:

  • „Must-have“ Reiseutensil: Einen praktischen Backpacking-Rucksack – das „Haus“ auf Reisen
  • Bevorzugtes Transportmittel: Pferd
  • Gang- oder Fenstersitz: Fenster
  • Lieblingsort: El Nido (Philippinen)
  • Nächstes Reiseziel: Mexiko

Gleich mal zu Beginn: Wie würdest du das Leben als digitale Nomadin in einem Satz beschreiben?

Es stehen dir nahezu alle Möglichkeiten offen und daher ist dieses Leben nicht nur motivierend und aufregend, sondern auch unsicher und herausfordernd. Eins ist es jedenfalls nicht: langweilig. Ups, das waren jetzt zwei Sätze.

Jetzt hast du schon fast dein erstes „Nomadenjahr“ um; wie fühlt es sich an, völlig frei und ungebunden zu arbeiten?

Das Gefühl, selbst zu bestimmen, wann und wo man arbeitet, ist für mich unbezahlbar. Es gehört aber natürlich auch jede Menge Selbstdisziplin und Organisationstalent dazu. Hin und wieder ist man natürlich schon an einen bestimmten Rahmen gebunden, wenn man mit anderen Menschen und Unternehmen zusammenarbeitet. Da ich aber sehr freiheitsliebend bin, gefällt mir der Lifestyle – wie ich es schon vorher vermutet hatte – sehr gut. Man lernt nicht nur viel Neues und viele interessante Menschen kennen, man lernt dazu auch noch viel über sich selbst.

Welche Tipps und Ratschläge würdest du dir selbst geben, wenn du nochmal in der Situation wärst, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen und digitale Nomadin zu werden – welche Schwierigkeiten gibt es zu bewältigen und was wird möglicherweise unterschätzt?

Online zu arbeiten, hat teilweise immer noch das Image, dass man einfach und schnell im Internet Geld verdienen kann. Ganz so einfach ist es aber nicht. Insbesondere wenn man keine Vorkenntnisse hat, braucht man Zeit und muss bereit sein, viel auszuprobieren und daraus zu lernen. Selbst wenn man viele Dinge in der Theorie weiß, sieht die Praxis oft anders aus. Daher rate ich jedem, sich einen Geldpuffer von sechs oder idealerweise 12 Monaten anzusparen, um in Ruhe zu starten. Das klingt jetzt erst mal nach sehr viel Geld, wenn man aber gleichzeitig seinen Lebensstandard „downsized“ und minimalistisch lebt, ist es möglich. Wer gerne reist, kann auch im Ausland starten; dort sind die Lebenshaltungskosten in vielen Ländern günstiger. Ganz wichtig ist es, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Auf meinem Blog habe ich einen Artikel dazu geschrieben: „11 Steps zum Digitalen Nomaden“.

Der erste Schritt ist, herauszufinden, ob das wirklich der ideale Lifestyle für einen persönlich ist, bevor man direkt seinen Job kündigt. Zu starten, ohne zu kündigen, hat allerdings auch Tücken; man ist dann eben nicht voll bei der Sache.
Was man auch unterscheiden sollte, ist der „digitale Nomade“ und der „Lifestyle Designer“. Als digitaler Nomade versucht man „irgendwie“ im Internet Geld zu verdienen. Viele digitale Nomaden sind aber gleichzeitig „Lifestyle Designer“. Das heißt, sie versuchen ein Business um das herum zu starten, was sie wirklich liebend gerne tun. So ein Projekt ist auch mein Reiseblog „Travelicia“. Dann unterscheidet man noch zwischen Kundenaufträgen und eigenen Projekten.

Du hast dich selbstständig gemacht und bietest potenziellen Kunden Websites-Erstellung, Online Marketing und alles rund ums Reiseblogging an. Wie schaffst du es, bei den verschiedenen Projekten mit unterschiedlich langen Deadlines einen Überblick zu behalten?

Ehrlich gesagt, macht mir das total Spaß. Ich organisiere gern, koordiniere gern und optimiere Prozesse. Ich find es toll, an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Da ich lange Zeit im Eventmanagement gearbeitet und viele Messen und Events parallel geplant habe, ist die Einhaltung von Deadlines kein Thema. Wenn man erfolgreich wird, muss man allerdings irgendwann erkennen, dass man nicht mehr alles selber machen kann, sondern auch Teilaufgaben outsourcen sollte – nur so kommt man weiter.

Arbeiten von zuhause aus wird immer beliebter, aber was muss man beachten, um den Sprung vom Home Office zur völligen häuslichen Ungebundenheit zu meistern?

Von zu Hause aus zu arbeiten, kann schnell eintönig werden. Vielen Selbständigen fehlen die Kollegen und man kann privat und geschäftlich nicht mehr richtig trennen. Eine Möglichkeit sind „Co-Working Spaces“, in denen man mit anderen Selbständigen zusammenarbeitet – davon gibt es insbesondere in Berlin sehr viele. Wenn man vorhat, um die Welt zu Reisen, gibt es natürlich noch einige andere Sachen zu klären: Was ist mit meiner Wohnung? Was ist mit der Post? An welchen Orten gibt es eine stabile Internetverbindung? Wie kommuniziere ich mit Kunden? Wie bin ich produktiv und lasse mich im Paradies nicht von der Arbeit abhalten? Welche Technik nehme ich mit? Wie schütze ich diese am besten vor Diebstahl? Mir würde noch eine jede Menge solcher Fragen einfallen, aber auch hier ist es das Beste, sich auf diversen Portalen oder auch auf meinem Blog zu informieren und sich mit anderen zu vernetzen. Unter digitalen Nomaden herrscht ein guter Austausch von Tipps, Tools und Tricks.

Seit 2005 hast du 32 Länder auf 5 Kontinenten bereist, manche davon im Rahmen von längerfristigen Weltreisen. Welches Land oder welche Länder sind deine persönlichen Highlights?

Also zuletzt habe ich mich definitiv in die Philippinen verliebt. Eine Reise dorthin war gar nicht geplant und ist spontan entstanden. Auf die Philippinen verschlägt es bisher noch viel weniger Touristen als in andere asiatische Länder. Die Landschaft und die Strände sind atemberaubend. Ganz besonders angetan haben es mir auch die Philippinos – offen, herzlich, humorvoll und entspannt würde ich die Einheimischen beschreiben. Der „Way of Life“ in Australien hat mir damals auch sehr gut getan; mein Traumziel dort ist Cape Tribulation. Eine Stadt die mir ebenfalls sehr gefallen und mich beeindruckt hat, ist Kapstadt in Südafrika.

Du hast auch eine persönliche Bucket List und hast dir vorgenommen, 10 Punkte davon in den nächsten Monaten abzuarbeiten – von Kurzausflügen rund um Berlin bis zum eigenen Boot ist alles dabei. Was konntest du bisher umsetzen?

Die Liste habe ich ja vor gar nicht allzu langer Zeit geschrieben. Einen Kurzausflug habe ich schon gemacht: in die Sächsische Schweiz. Als nächstes geht’s nach Mexiko und eben eventuell Belize. Tauchen im Great Blue Hole das wäre ein Abenteuer. Das eigene Boot wird schon schwieriger. Immerhin bin ich zu meinem Geburtstag mit dem Floß über den Müggelsee geschippert. Außer diese 10 Punkte steht aber noch jede Menge mehr auf meiner Bucket List. Sie dient nur zur Orientierung und vielleicht tausche ich den einen oder anderen Punkt ja noch aus – man weiß nie, was kommt.

Du bietest auf deinem Blog Travelicia eine Packliste zum Download an. Was sind deine persönlichen Lieblings-Reiseutensilien: Welche Dinge kommen bei dir auf jeden Fall in den Rucksack?

Was ich wirklich nützlich finde sind multifunktionale Gegenstände wie mein Sarong oder mein Buffy-Tuch. Wirklich wichtig sind eigentlich nur Papiere, eine kleine Reiseapotheke und Technik wie MacBook oder Kamera. Klamotten und Drogerieartikel kann man sehr gut vor Ort nachkaufen. Ende November drehe ich ein Video darüber, wie das tatsächlich aussieht, wenn ich packe.

Und zum Abschluss: Wo bist du jetzt gerade und wo würdest du am liebsten arbeiten und leben in der nächsten Zeit?

In diesem Moment sitze ich noch in Berlin. In drei Wochen fliege ich aber los nach Mexiko. Wie es von dort weiter geht ist noch unklar. Mich interessieren Belize und Guatemala aber auch Nicaragua aktuell sehr. Mal sehen.

 

Titelbild & Bilder im Text: © Travelicia

 

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