Reisetipps, Infos & Inspiration Ein Deutscher auf Auswanderungsreise

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Ein Deutscher auf Auswanderungsreise

Deutschland? Ja, aber lieber die ganze Welt!

Der diplomierte Informatiker Florian Blümm berichtet in seinem Blog, dem flocblog, vor allem übers Reisen. Im Juni 2011 packte er seinen Rucksack und ging für 14 Monate auf Weltreise. In unserem Interview möchten mit ihm über seine Leidenschaft zum Reisen sprechen.

Wir haben mit Neugier und Staunen Ihre Weltreise auf Ihrem Blog verfolgt. Nach welchen Kriterien haben Sie die Länder ausgesucht, die Sie besuchen wollten und welche Länder sind es dann am Ende geworden?

Ich hatte viele Monate mit dem Gedanken einer Weltreise gespielt als mein bester Kumpel auf einmal Interesse zeigte. Er wollte mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren, ich wollte Indien sehen. Also stand unsere Überland Reiseroute für die ersten Monate fest:

Deutschland, Österreich, Slowakei, Russland, Mongolei, China, Tibet, Nepal, Indien, Bangladesch.

Nach Asien sollte der zweite Kontinent unserer Weltreise Südamerika sein. Aber das Morgenland hat uns so schnell nicht losgelassen. Nach knapp einem Jahr im fernen Osten habe ich es doch noch von Südostasien nach Nordamerika geschafft und dann die Reise um den Globus in Deutschland beendet:

Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, China, Kalifornien, Mexiko, Guatemala, Belize, Spanien, Deutschland.

Tastatur Russland

Eigentlich hatten Sie geplant, nur für ein gutes Jahr – bis August 2012 – auf Reisen zu sein. Wie kommt es, dass Sie immer noch unterwegs sind?

Ehrlich gesagt kann ich mir Deutschland gerade nicht leisten. Ich fange gerade erst an, mich selbstständig zu machen und Reisen ist viel günstiger als in Deutschland halbwegs komfortabel zu leben. Außerdem gefällt mir der Reise-Lebensstil zurzeit sehr gut.

Meine neue „Auswanderungs-Reise“ ist viel nachhaltiger als die Weltreise. Es gibt keine Zeitlimits, keine Reiseroute und keine langfristigen Pläne. Dafür mache ich langfristige Aufenthalte statt Stippvisiten, versuche mich in Land und Leute einzufinden und arbeite nebenbei, um die Kosten zu senken.

Sie schreiben, dass es Ihnen beim Reisen auch darum geht, Ihre Komfortzone zu verlassen. Wo und in welchen Situationen mussten Sie das bisher tun?

Beim Reisen ist es keine Kunst die Komfortzone zu verlassen. In jedem neuen Land muss man die Sprache, Währung, Kultur und selbst die Speisekarte neu lernen. Schon beim Mittagessen suchen fühlt man sich wie ein Achtjähriger und erst Recht am Busticketschalter.

Am heftigsten ist in dieser Beziehung Indien. Das Land gibt einem schon vor dem Frühstück einen Tritt in den Hintern, nur um sich dann von seiner beeindruckendsten Seite zu zeigen. Indien ist laut, dreckig, verrückt, wunderschön, frustrierend, magisch, unmöglich und einfach einzigartig. Doch der nächste Tritt in den Hintern wartet schon.

Und wo hat es Ihnen bis jetzt am besten gefallen?

Thailand, ohne Zweifel!

Viele Orte in Thailand sind ein Traum, weil die Thais einfach liebenswerte Menschen sind und das Essen ausgezeichnet ist. Es ist dabei egal, wo man sich aufhält, ob in Stadt, Land, Dschungel oder auf einer der mehr als 100 Paradiesinseln.

Am liebsten ist mir Bangkok mit seinen wunderschönen Tempeln am Fluss, mit seinem wilden Mix aus Ost und West, aus Hektik und Ruhe. In Bangkok gibt es alles, was man sich nur vorstellen kann und mehr. Aber vor allem gibt es unglaublich freundliche Menschen, niedrige Preise, superleckeres Essen und viele andere Auswanderer.

Steppenpferde Mongolei

In Ihrem Blog finden sich neben vielen Bildern ja mehrere Einträge mit „7 nutzlosen Fakten“ zu den verschiedenen Ländern. Haben Sie denn auch ein paar nützliche Tipps auf Lager, die beim Reisen mit Rucksack hilfreich sein könnten?

Es gibt sehr viele Tipps zum Geld und Nerven sparen. Aber ehrlich gesagt lesen wahrscheinlich die wenigsten Rucksackreisenden Reiseblogs. Deswegen, liebe Nichtreisenden, macht es einfach! Kauft euch ein Flugticket nach Südostasien und kümmert euch später um die Details. Die Details sind unwichtig!

Wo sind Sie zurzeit gerade? Und wo geht es als nächstes hin?

Ich bin gerade im „deutschen Teil“ von Chile, der sogenannten chilenischen Schweiz im Süden des Landes. Hier gibt es gutes Bier nach deutschem Reinheitsgebot, viel Kuchen, eine freiwillige Feuerwehr und einen Männerchor. Im Unterschied zu Deutschland fehlen aber die Minusgrade. Es ist gerade Hochsommer.

Ich habe hier eine US-Amerikanerin kennengelernt, die Englisch unterrichtet. Ab März machen wir zusammen eine mehrmonatige Fahrradtour durch Bolivien und Paraguay. Das dazu nötige Fahrrad versuche ich gerade zu besorgen.

Wie haben Sie denn eigentlich Weihnachten und Silvester verbracht? Kommt an solchen Feiertagen bei Ihnen als erfahrenem Reisenden eigentlich Heimweh auf?

Nikolaus Indien

Silvester lässt mich kalt, aber Weihnachten in der Ferne ist unangenehm. Es ist eben doch ein Familienfest und in meiner Familie sind die drei Tage sehr ritualisiert. Ich weiß zu jeder Zeit, wo meine Lieben gerade sind, was es zu Essen gibt, usw. Das macht Weihnachten in der Ferne nicht so einfach.

Aber bisher hatte ich Glück. Letztes Weihnachten hat mein Reisepartner Greg seine Familie nach Südindien eingeflogen, das war sehr nett. Dieses Weihnachten war ich gerade frisch verliebt und meine Freundin und ich waren am Weihnachtsabend bei einer chilenischen Familie zur Mitternachtsbescherung eingeladen.

Und noch eine Frage zum Schluss: Welche Reiseziele stehen denn noch auf der To-Do-Liste und haben Sie vor, sich irgendwann wieder in Deutschland niederzulassen?

Mich reizen besonders noch die muslimischen Länder, vor denen ich bisher noch Bammel hatte. Das heißt Indonesien und Malaysia genauso wie die Istans und die ganze Seidenstraße. Aber auch den Rest von Zentralamerika möchte ich gerne sehen und unbedingt will ich zurück nach Indien, Nepal und ganz besonders Thailand.

Deutschland interessiert mich im Moment nicht so sehr.

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