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Interview: Erlebnisse eines Weltreisenden

Wollltet ihr schon immer mal wissen, was man auf Weltreise alles erleben kann? Hier bekommt ihr Informationen aus erster Hand.

Nachdem Dennis Fink zunächst nur in Europa unterwegs war trieb es ihn irgendwann in die Ferne und er wollte die ganze Welt bereisen. Seit 2003 berichtet er bereits über seine Reisen auf seinem Reiseblog. Im Juni 2011 startete Dennis dann seine Weltreise und berichtete häufiger denn je über seine Erlebnisse. Die Mühe hat sich ausgezahlt, denn mit seinem Blog belegte der Reiselustige den zweiten Platz beim Blog Award 2012. Im Interview erzählt er von seinen bisherigen Erfahrungen und Erlebnissen rund um seine Weltreise.

Ursprünglich war deine Reise von Juni 2011 bis Ende März 2012 geplant. Du bist aber immer noch in fernen Ländern unterwegs. Warst du in der Zwischenzeit eigentlich mal zu Hause oder bist du ohne Pause unterwegs?

Ich bin im Juni nach Deutschland zurückgereist, um mich von den Reisestrapazen ein wenig zu erholen. So ein langer Trip ist leider nicht mit einem zweiwöchigen Urlaub zu vergleichen und kann extrem anstrengend werden. Ich wollte mich mal wieder so richtig auf gute deutsche Currywurst und Sauerbraten stürzen, meine Freunde und Familie wiedersehen und für mich selbst herausfinden, ob ich froh bin, wieder zu Hause zu sein oder nach kurzer Zeit am liebsten wieder losziehen würde. Was soll ich sagen…ich bin wieder weg.

Wo hältst du dich denn gerade im Moment auf?

Ich bin wieder nach Asien geflogen. Asien ist definitiv DAS Backpackerparadies. Hier habe ich das weltweit beste Preis-Leistungs-Verhältnis, die beste Infrastruktur für Individualreisende und ich kann von hier aus perfekt Trips in alle Richtungen planen, ob es nun innerhalb Asiens ist oder Richtung Ozeanien. Vor allem kann man sich hier auch kostengünstig länger aufhalten und eine wirklich gute Zeit haben.

Kamelreiten in Israel

© Dennis Fink

 

Wenn man über mehrere Monate unterwegs ist, braucht man nicht nur viel Reiselust sondern auch ein wenig Kapital. Wie finanzierst du dir deine Reisen in die verschiedenen Länder auf der ganzen Welt?

Die meisten Leser meines Blogs neigen schnell dazu, mich für die Reise zu beneiden und glauben, ich hätte einen Goldesel auf meiner Farm stehen. Wenn ich manchen dann erzähle, auf was ich alles verzichtet habe, um das Geld für die Reise zusammenzusparen, wird vielen schnell klar, dass sich so ein Traum nicht von selbst finanziert und dass der Verzicht sowohl vor als auch während der Reise immens ist und vor allem nicht jedermanns Sache.

Die äußerst simple Formel lautet: Sparen, sparen, sparen. Ich habe am 1.1.2010 den Entschluss zur Reise gefasst und mir ein Sparziel von 25.000€ gesetzt. Innerhalb von 18 Monaten musste irgendwie das Geld her. Mir war klar, dass das ein ambitioniertes Ziel war, aber auch, dass es lediglich eine Sache der Prioritäten ist. Und da hört es bei den meisten schon auf. Jeder würde gerne eine Weltreise unternehmen, aber ohne dafür seinen Lebensstandard im laufenden Alltag herunterfahren zu wollen. Die Frage ist doch: Was bin ich wirklich bereit für meinen Traum aufzugeben. Und meine Antwort war von vornherein klar: Alles!

Als Erstes bin ich umgezogen. Von einer 3-Zimmer-Wohnung in ein kleines 1-Zimmer-Apartment und konnte so 500€ Miete monatlich einsparen. Damit war schon mal ein großer Batzen im Sack. Zweites habe ich eineinhalb Jahre lang nicht mehr am Konsum teilgenommen, keine neuen Klamotten, keine schicke neue Uhr oder irgendwelchen anderen Schnickschnack mehr gekauft. Konsum und Statussymbole waren mit einem Schlag plötzlich wertlos im Hinblick auf das was mir bald bevorstand. Auch Sparverträge, Investmentfonds, Rentenvorsorge, das alles gab es für mich nicht mehr. Jeder Cent, der am Ende des Monats übrig war, floss voll und ganz in mein Reisebudget.

Aber das Härteste war, alles zu verkaufen, was ich besaß. Klamotten, Bücher, Möbel, meine Küche, meinen kompletten Hausrat, mein Auto, einfach alles. Ich habe alleine 800 Artikel über das Internet verkauft und das waren zum Teil Dinge an denen ich wirklich hing. Das kann äußerst schmerzhaft sein, aber auch unglaublich befreiend. Alles eine Sache der Prioritäten eben!

Wie haben denn Familie und Freunde reagiert, als du ihnen von deinen Reiseplänen erzählt hast? Warst du auch Kritik ausgesetzt und wenn ja, wie bist du damit umgegangen?

99% aller Menschen haben einfach überragend reagiert und wahnsinnig mit mir mitgefiebert, während der gesamten Planungsphase. Da gab es den einen oder anderen, der durchaus enthusiastischer wegen meiner Reise war, als ich selbst. Menschen, die ihr Leben lang von so einer Weltreise geträumt haben, selbst aber nicht die Möglichkeit dazu hatten oder sich einfach nicht getraut haben. Für all diejenigen schreibe ich meinen Blog und sie lesen dankbar mit, jeden Tag, worüber ich mich wirklich sehr freue.

Kritik? Nicht wirklich. Es gab durchaus einige, die nicht nachvollziehen konnten, weshalb ich die Reise alleine antreten wollte und einen riesen Respekt davor hatten. Ein „Das könnt ich nicht“ bekam ich hier und da schon mal zu hören. Auch die Entscheidung, dafür alles aufzugeben, traf bei einigen auf Unverständnis. Die Risikobereitschaft ist in Deutschland einfach nicht sehr hoch, wenn es darum geht, für eine Langzeitreise seine Existenz aufzugeben. Unser Sicherheitsdenken wiegt deutlich stärker. Alle jedoch gönnen mir die Reise von ganzem Herzen. Es ist ein Lebenstraum, den man anderen fast nicht missgönnen kann. Ich denke, in jedem von uns ist ein tiefes Verständnis für den Wunsch, die Welt zu bereisen, vorhanden. Es gibt aber tatsächlich auch Menschen, die stark ortsgebunden und wenig weltoffen sind.

Was war das Kurioseste, das du während deiner Reise erlebt haben?

Was mich immer besonders erstaunt hat, ist, wie ich bestimmte Personen an den unmöglichsten Stellen der Welt, auf verschiedenen Kontinenten, mehrmals ungeplant wiedergetroffen habe, was statistisch gesehen absolut unmöglich ist. Ansonsten ist einfach die ganze Reise kurios. Ich wüsste beim besten Willen nicht, was ich da alles aufzählen sollte. Was man im Einzelnen alles erlebt, wenn man erst unterwegs ist, ist einfach unglaublich. Geh auf Weltreise und ein Tag ist aufregender als der andere. Der tägliche Wahnsinn wird einfach zum Alltag. Man trifft auf so viele verrückte, durchgeknallte aber auch interessante, inspirierende Menschen, bereist unwirkliche, traumhafte Orte und erlebt Dinge, die man vorher nie für möglich gehalten hätte. Wie ich bereits in einem anderen Interview sagte: Wenn du glaubst, dein Leben sei aufregend und verrückt, dann multiplizier dies mit 1000 und du weißt, was abgeht, wenn du aus der sogenannten “Gesellschaft” aussteigst und frei um diesen Planeten reist. Die Welt ist eine riesengroße Muppets-Show. Und so bitter die Erkenntnis sein mag, Deutschland ist nun mal nicht das aufregendste Land dieser Erde. Es lohnt sich einfach, mal für einige Zeit aus unserer deutschen, durchgeplanten Gesellschaft auszusteigen.

Bora Bora Lagune

© Dennis Fink

 

Du gehst ja die meiste Zeit alleine auf Reisen. Gab es Situationen, in denen du Angst hattest und was machst du, wenn dich das Heimweh plagt?

Heimweh, das kann ich gleich vorwegnehmen, ist de facto nicht vorhanden und war es zu keiner Zeit. Angst ist ein Wort, das Menschen vom Reisen abhält. Ich würde sagen, gesunder Respekt und Wachsamkeit sollte vorhanden sein, wenn man sich nachts alleine durch die Straßen bestimmter Länder bewegt. Da kommen einem schon ab und zu mal „was wäre wenn…“-Gedanken. Aber das ist absolut okay.

Richtig Angst hatte ich z.B. nach einem Tauchunfall in Indonesien. Anschließend stand ich einige Tage unter Beobachtung und musste im halbwachen Zustand stundenlang mitanhören wie nervös darüber diskutiert wurde, ob man mich per Boot nach Lombok in die Sauerstoffkammer überführen sollte. Auf einer kleinen Insel, ohne Versorgung nach westlichen Standards, auf ärztliche Hilfe angewiesen zu sein, ist kein schönes Gefühl. Und das Vertrauen in indonesische Ärzte hielt sich stark in Grenzen. Ja, da hatte ich Angst.

Wie lange kannst du an einem Ort bleiben, bis dich das Reisefieber wieder packt? Wo fühlst du dich zuhause?

Das hängt natürlich vom Ort selbst aber ganz besonders von den Menschen ab. Es gab Ziele, von denen ich bisher nur Gutes hörte und auf die ich mich unwahrscheinlich gefreut habe. Dann kommst du an und du wirst einfach nicht warm mit der Mentalität der Bevölkerung oder der Strand, die Insel, die City, die Natur ist nicht, wie du sie dir die ganze Zeit über vorgestellt hast und du willst einfach nur wieder weg, und zwar so schnell wie möglich. Das ist einfach das Dumme mit Erwartungen. Man lernt nach einiger Zeit, keine Erwartungen mehr zu haben, denn dann kannst du nur gewinnen. Für manche Orte reicht aber auch ein Tag tatsächlich aus. In Macau z.B. verbrachte ich eineinhalb Tage oder auf manchen Südseeinseln zwei Tage. Dann hatte ich das Gefühl, alles gesehen zu haben und wollte einfach weiter, weil da noch so viele tolle Ziele vor mir lagen und ich es nicht erwarten konnte, weiterzuziehen. Manchmal ist es eine Herausforderung, im Hier und Jetzt zu bleiben, die Gegenwart zu genießen und nicht in Gedanken bereits weitergereist zu sein.

Es gab aber auch Orte, die haben mich alles andere um mich herum vergessen lassen, meine weiteren Reiseziele, meine Pläne und ehe ich mich versah, waren bereits ein oder eineinhalb Monate vergangen. So erging es mir in Thailand, auf Bali oder in Singapur. Das liegt aber vor allem an der Mentalität der Asiaten, die Reisende mit unvergleichlicher Gastfreundlichkeit in ihrem Land empfangen.

Und das ist das tolle einer individuellen Langzeitreise. Die Entscheidung, wann du weiterziehst, liegt ganz allein bei dir.

Maupititi Lagune

© Dennis Fink

 

Habst du schon eine Idee, was du nach deiner Reise als Nächstes machen möchten?

Ich kann nicht wirklich ein Ende festlegen. Ich habe meine Strategie für den kommenden Teil meiner Reise ein wenig geändert. Ich würde sagen, bis Mai hieß das Projekt noch „Weltreise“, einmal rum um den Globus. Nun möchte ich länger an einem Ort verbringen und nicht so durch die Welt hetzen. Stärker eintauchen in die Kultur. Land und Leute besser kennenlernen und vielleicht mal einige Zeit irgendwo hängen bleiben. Es geht nun weniger darum, möglichst viele neue Länder auf der Bucketlist abzuhaken, sondern eher, bestimmte Regionen besser kennenzulernen. Das hat auch echten Mehrwert für die Leser meines Blogs, denn es wird nicht nur an der Oberfläche gekratzt, sondern man erhält auch mal tiefere Einblicke in die Kultur eines Landes. Einige der schönsten Orte der Weltumrundung möchte ich gerne noch einmal bereisen, nur anders, noch intensiver, ich möchte mir mehr Zeit nehmen. Und dann stehen noch einige neue Ziele ganz oben auf meiner Liste: Taiwan, China, Korea, Neuseeland, und definitiv noch ein Südseetrip auf die Fidjis, Tonga und Samoa. Aber das hat keine Eile und sind alles „nur“ Pläne und ich weiß inzwischen, dass Pläne auf Reisen einen anderen Stellenwert haben. Sie können morgen bereits über den Haufen geworfen sein. Also lasse ich alles einfach auf mich zukommen. „Go with the flow“, alles andere funktioniert nicht.

Und was ich danach machen werde, ist eine gute Frage. Ich habe so viele Pläne, die ich gerne verwirklichen würde. Das muss nicht „nach“ der Reise sein, das kann auch während des Reisens passieren. Vielleicht ist auch heute bereits „danach“, wer weiß das schon. Die Grenzen sind da längst fließend.

 

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