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Wann stehen mir Entschädigungen bei einer Flugreise zu?

Fast jeder hat schon mal auf einen verspäteten Flug gewartet. Doch wann darf man auf Entschädigungen hoffen und was tut man bei Annullierung oder Überbuchung?

Verspätung, Annullierung und Überbuchung: Was steht den Passagieren zu, was muss die Fluggesellschaft tun und wie verhält man sich am besten? Die Antworten findet ihr hier zusammengefasst.

1. Voraussetzung: Pünktlichkeit am Flughafen

Entschädigung bei Flugausfall: Flughafen Pünktlichkeit

Grundsätzlich gilt, dass nicht nur die Fluggesellschaft pünktlich sein muss. Auch als Passagier muss man sich rechtzeitig am Flughafen einfinden, um überhaupt Anspruch auf eine Entschädigung zu haben. Das bedeutet, man muss ein gültiges Ticket vorweisen und mindestens 45 Minuten vor dem Abflug am Check-in-Schalter sein. Sind die Voraussetzungen erfüllt, kommt es auf den genauen Sachverhalt an.

2. Ausgleichszahlungen ab drei Stunden Verspätung

Entschädigung bei Flugüberbuchung: Warten am Flughafen

Dank einer EU-Verordnung und nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs haben Passagiere ein Recht auf Ausgleichszahlungen, sofern man mehr als drei Stunden verspätet am gewünschten Zielflughafen ankommt. Diese Regelung tritt unabhängig davon in Kraft, ob ein Flug überbucht oder ausgefallen ist oder sich einfach nur verspätet hat. Die EU-Fluggastrechteverordnung betrifft übrigens jeden Flug, der aus einem EU-Land startet (egal, wo die Airline ihren Hauptsitz hat) und auch Flüge aus Drittländern, die in der EU landen (sofern die Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU hat).

3. Keine Ansprüche bei außergewöhnlichen Umständen

Entschädigung bei Flugausfall: Wetterchaos Flughafen

Liegen allerdings außergewöhnliche Umstände vor, für die die jeweilige Fluggesellschaft nicht verantwortlich ist, erlischt der Anspruch auf finanzielle Entschädigungen. Zu diesen besonderen Umständen zählen beispielsweise Unwetter oder sonstige Wetterbedingungen, politische Unruhen oder Streiks.

Auch bei bestehender Reiservericherung ist es nie garantiert entschädigt zu werden: 10 Fälle, bei denen kein Leistungsanspruch besteht

 

4. Startverzögerung: Versorgung am Flughafen

Entschädigung bei Flugausfall: Verspätung Menü Fluggesellschaft

Verzögert sich der Start um mehr als zwei Stunden, müssen die Fluggesellschaften aktiv werden und sich am Flughafen um ihre Passagiere kümmern. Bei einer Flugdistanz von bis zu 1.500 km stehen den Kunden dann kostenlose Mahlzeiten und Erfrischungen zu. Beträgt die Flugstrecke bis zu 3.500 Kilometer, tritt diese Regelung erst ab einer Verspätung von drei Stunden in Kraft. Auf Langstreckenflügen über mehr als 3.500 km müssen Fluggesellschaften sich erst nach einer vierstündigen Verspätung um das leibliche Wohl der Fluggäste sorgen. Verzögert sich der Abflug um mehr als fünf Stunden, kann man entscheiden, nicht zu fliegen und sich im Gegenzug sämtliche Flugkosten erstatten lassen.

5. Erstattung der Kosten für Hotelübernachtungen

Entschädigung bei Flugannullierung: Hotelübernachtung

Wird ein verspäteter Flug auf den nächsten Tag verlegt, muss die jeweilige Airline den betroffenen Fluggästen die Kosten für eine Hotelübernachtung sowie den Transfer dorthin erstatten. Die Organisation übernimmt in der Regel die Fluggesellschaft, weswegen von eigenständigen Hotelbuchungen abgeraten wird. Entschließt man sich dennoch dazu, ein Hotel auf eigene Faust zu suchen, sollte man unbedingt im Vorfeld mit den Mitarbeitern der Fluggesellschaft Kontakt aufnehmen. Hier sollte man sich darüber informieren, welche Art von Hotel und welche Preisklasse die Fluggesellschaften akzeptieren. Um nachträglichen Ärger und rechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, lässt man sich diese Aussagen am besten schriftlich geben.

6. Finanzielle Entschädigungen bei Verspätung

Entschädigungen bei Verspätung

Unabhängig von den zuvor erwähnten Leistungen bekommt man ab einer verspäteten Ankunft von drei Stunden eine finanzielle Entschädigung: Auf Flügen bis 1.500 km erhält man 250€, auf Flügen zwischen 1.500 km und 3.500 km erhält man 400€ und auf Langstreckenflügen über 3.500 km stehen den Passagieren Entschädigungen in Höhe von 600€ zu. Verpasst man aufgrund einer Verspätung einen Anschlussflug, muss die Fluggesellschaft auch hierfür die Kosten erstatten.

7. Was tun bei Annullierung?

Flugausfall

Fällt ein Flug spontan aus und passiert dies nicht aufgrund außergewöhnliche Umstände, kann man darüber entscheiden, ob man den Ticketpreis voll erstattet bekommen möchte oder ob man auf eine alternative Beförderung besteht. Befindet man sich auf einem Zwischenstopp und wird dann ein Flug annulliert, hat man zudem Anspruch auf einen schnellstmöglichen Rückflug zum Abflugort. Ist man von einem Flugausfall betroffen, sollte man seine Entscheidung also davon abhängig machen, welche der jeweiligen Optionen für einen am günstigsten ist.

8. Alternative Beförderung bei Annullierung

Alternative Beförderung bei Flugausfall

Entscheidet man sich bei einem Flugausfall für eine alternative Beförderung zum schnellstmöglichen Zeitpunkt, müssen sich die Fluggesellschaften in der Zeit um das leibliche Wohl der Betroffenen kümmern. Hier gelten die gleichen Bestimmungen wie bei einer Flugverspätung. Startet der Flug erst am nächsten Tag, müssen die Fluggesellschaften auch die Hotelkosten und den Transfer dorthin bezahlen.

9. Anspruch auf Ausgleichszahlungen bei Flugannullierung

Flugannulierungen

In manchen Fällen hat man bei Flugannullierung einen zusätzlichen Anspruch auf Ausgleichszahlungen, ähnlich wie bei einer Verspätung: Auf Strecken bis 1.500 km 250€, auf Strecken zwischen 1.500 km und 3.500 km 400€ und auf Flügen über 3.500 km 600€.

Benachrichtigung über Flugannullierung

Wird man aber mindestens 14 Tage vor Abflug über die Annullierung informiert, erhält man generell keinen Ausgleich; wird man zwischen 14 und sieben Tage vor dem Abflug informiert und erhält ein Ersatzangebot, bei dem man nicht mehr als zwei Stunden vor dem geplanten Abflug wegfliegt und nicht später als vier Stunden nach der geplanten Ankunft ankommt, erhält man auch keine Ausgleichszahlung. Wird man in weniger als sieben Tagen vor dem Abflug informiert und die Fluglinie bietet einen Ersatzflug an, bei dem man nicht früher als eine Stunde vor dem geplanten Abflug und nicht später als zwei Stunden nach der geplanten Ankunft ankommt, gibt es auch keine Ausgleichszahlungen.

10. Nichtbeförderung durch Überbuchung

Überbuchung

Ab und an kommt es vor, dass Fluggesellschaften einigen Fluggästen trotz eines gültigen Tickets die Beförderung im Flugzeug verweigern. Grund dafür sind in der Regel Überbuchungen. Doch wie kommen Überbuchungen zustande? Diejenigen, die trotz eines gültigen Tickets nicht am Check-in erscheinen, werden im Fachjargon als „No-Shows“ bezeichnet. Häufig sind das Passagiere der Business-Class, da diese Kunden oftmals mehrere Flüge gleichzeitig reservieren können, auch wenn sie letztendlich lediglich einen Flug in Anspruch nehmen.

Leere Sitze im Flieger

So passiert es, dass oftmals Sitze leer bleiben. Um die mit den „No-Shows“ verbundenen finanziellen Verluste auszugleichen, verkaufen manche Fluggesellschaften mehr Tickets als tatsächlich Plätze im Flieger vorhanden sind. Wenn dann aber wirklich alle Passagiere in dieselbe Maschine steigen wollen, stehen die Airlines vor einem Problem, denn sie können nicht alle Passagiere mit gültigem Ticket zum Zielflughafen befördern.

11. Was passiert bei Überbuchung?

Überbuchung Flug

Zunächst wird geschaut, ob man das Problem mit Hilfe von Upgrades lösen kann. Hilft das nicht weiter, suchen Mitarbeiter der Fluggesellschaft Passagiere, die beispielsweise mit Gutscheinen oder ähnlichen Gegenleistungen freiwillig auf den Flug verzichten sollen (wichtig hierbei: Wer freiwillig eine solche Ersatzleistung von der Fluggesellschaft annimmt, hat keinen weiteren Anspruch auf Betreuungs- oder Ausgleichsleistungen). Findet sich auch so keine Lösung, muss eine entsprechende Anzahl an Passagieren unfreiwillig am Boden bleiben. Diese werden von der Fluggesellschaft bestimmt, weswegen Vielflieger, Fluggäste höherer Reiseklassen sowie diejenigen, die früh einchecken, in der Regel auf der sicheren Seite sind.

12. Entschädigungen bei einer Überbuchung

Überbuchung Flughafen

Zählt man zu den Unglücklichen, die aufgrund einer Überbuchung nicht an Bord dürfen, kann man vom Flug zurücktreten und die Fluggesellschaft ist zur Rückerstattung des Flugpreises verpflichtet. Alternativ kann man auch auf einen Ersatzflug bzw. anderweitige Beförderung bestehen. Wählt man letztere Option, ist die Airline dazu verpflichtet, die Kosten für Verpflegung und gegebenenfalls auch eine Hotelübernachtung zu übernehmen. Und sobald man mehr als drei Stunden zu spät am gewünschten Zielflughafen ankommt, stehen einem zudem ähnliche finanzielle Entschädigungen wie bei einer Verspätung zu.

Übrigens: Wird man in dem Fall in eine niedrigere Flugklasse verlegt, hat man hier auch ein Recht auf eine prozentuelle Rückerstattung des Ticketpreises.

13. Wie verhält man sich bei Problemen?

Verspätung Fluggesellschaft kontaktieren

Kommt es bei einer Flugreise zu Problemen jeglicher Art, muss man sich im Anschluss an die Reise direkt bei der Fluggesellschaft schriftlich beschweren. Das gilt übrigens auch dann, wenn man eine Pauschalreise gebucht hat. In dem Schreiben sollte man die Fluggesellschaft zur Entschädigungszahlung auffordern und unbedingt eine Frist setzen. Dabei ist aber zu beachten, dass sämtliche Ansprüche verfallen, sobald man sich vor Ort mit der Fluggesellschaft geeinigt hat. Daher muss man auch nie einen Gutschein als Entschädigung akzeptieren.Unabhängig vom Preis des Flugtickets kann man seine Forderungen übrigens noch bis zu drei Jahre nach dem Vorfall geltend machen.

Alle Angaben sind zum Stand der Veröffentlichung im August 2018 aktuell und können sich jederzeit ändern. Daher empfehlen wir sich im Fall der Fälle, über die aktuelle Sachlage genau zu informieren.

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