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Was tun, wenn der Flug ausfĂ€llt? 😓

Der Flug ist gecancelt, was nun? Wie verhÀlt man sich am besten und was steht einem eigentlich zu? Wir haben die Antworten!

Endlich Urlaub! Bloß schnell die Koffer packen, Reiseunterlagen zusammensuchen und nichts wie ab zum Flughafen – doch dort dann die böse Überraschung: Flug gecancelt! Und was nun? Wir verraten euch, was ihr in so einer Situation am besten tun könnt und welche Rechte und Ersatzleistungen euch zustehen.

Was tun, wenn der Flug ausfĂŒllt?

Es ist schon sehr Ă€rgerlich: Alles ist akribisch geplant, gebucht und gepackt, man freut sich riesig auf die wohlverdienten Ferien – und dann die schlechte Nachricht: Der Flug fĂ€llt aus. Schlimm genug, wenn man noch zuhause ist, wirklich unangenehm aber vor allem dann, wenn man den eigentlichen Urlaub bereits hinter sich hat, der Heimflug gestrichen wird und man somit in einem fremden Land festsitzt. Das erste, was einem in einem in so einem Fall in den Sinn kommt, sind tausend Fragen: Sitze ich jetzt am Flughafen fest? Was, wenn der nĂ€chste Flug erst in ein, zwei oder gar noch mehr Tagen geht? Was, wenn mir das Geld ausgeht? Und selbst wenn nicht, muss ich wirklich fĂŒr alles selbst aufkommen? Die Antwort auf diese Fragen hĂ€ngt von mehreren Faktoren ab. Der erste: Das geltende Recht.

Sichere Versorgungsleistung dank der EuropÀischen Fluggastrechteverordnung

International ist es ĂŒblich, dass jede Fluglinie ihre eigenen Regeln darĂŒber aufstellt, was im Falle von AusfĂ€llen, VerspĂ€tungen und etwas Ähnlichem passiert, was oft unĂŒbersichtlich werden kann. Wir Flugreisenden in der EU haben es jedoch gut – zumindest insofern, als dass wir ein vereinheitlichtes Recht besitzen.

Der EuropĂ€ischen Fluggastrechteverordnung (VO (EG) Nr. 261/2004) unterliegen alle FlĂŒge, die in der EU starten, sowie jene, die in der EU landen, sofern der Gesellschaftssitz der Fluglinie sich ebenfalls in der EU befindet.

Dieses Gesetz sieht dabei vor, dass Passagieren im Falle eines Flugausfalls oder einer VerspĂ€tung, abhĂ€ngig von der Entfernung ihres Flugziels sowie der zeitlichen Verzögerung, in jedem Fall gewisse Versorgungsleistungen zustehen. Zu diesen Leistungen gehören etwa kostenlose GetrĂ€nke und Mahlzeiten, der kostenlose Zugang zu Kommunikationsmitteln, um Angehörige ĂŒber die VerspĂ€tung zu informieren, sowie – falls notwendig – die kostenlose Unterbringung in einem Hotel samt Transport vom und zum Flughafen. DarĂŒber hinaus muss der Flug natĂŒrlich ehestmöglich nachgeholt bzw. fĂŒr einen alternativen Transport zum Zielflughafen gesorgt werden. FĂŒr diese Leistungen ist es vollkommen egal, aus welchem Grund der Flug abgesagt wurde. Anders sieht es hingegen fĂŒr weitere finanzielle EntschĂ€digungen aus – hier kommt nun die Schuldfrage ins Spiel.

ZusÀtzlicher Schadensersatz oder nicht?

Egal worum es geht, wenn etwas schieflĂ€uft, sucht man immer nach einem Schuldigen. Im Fall von FlugausfĂ€llen macht dies auch durchaus Sinn, denn neben den oben beschriebenen Versorgungsleistungen stehen GĂ€sten von gecancelten FlĂŒgen mitunter auch noch EntschĂ€digungsleistungen zu – allerdings nur dann, wenn der Ausfall nicht mindestens 14 Tage vor dem geplanten Flugtermin bekanntgegeben wurde, die VerspĂ€tung am Zielort mindestens drei Stunden betrĂ€gt und die Schuld fĂŒr die Verzögerung bzw. den Ausfall bei der Airline selbst liegt (beispielsweise im Fall von technischen Gebrechen) und nicht etwa auf höhere MĂ€chte (durch unvorhergesehene WetterphĂ€nomene zum Beispiel) oder Streiks des Personals zurĂŒckzufĂŒhren ist.

FlugverspÀtungen- oder ausfÀlle sind immer unangenehm

Ist dies der Fall, dann stehen GeschĂ€digten möglicherweise zusĂ€tzlich zur Erstattung des Tickets bzw. einer alternativen Beförderung möglicherweise auch noch eine Ausgleichszahlung zwischen 125 und 600€ zu. Die Höhe solcher Leistungen ist wiederum abhĂ€ngig von der Entfernung: Bis 1.500 km gibt es 250 Euro, bis 3.500 km 400 Euro und fĂŒr noch weiter entfernte Reiseziele sogar 600 Euro Schadensersatz. Die genau Summe hĂ€ngt aber auch von der Flugdauer ab. Informiert die Airline die FluggĂ€ste kurzfristig, hĂ€ngen die Zahlungen auch davon ab, ob ein Ersatzflug angeboten wird und mit welcher VerspĂ€tung die Passagiere im Zielland ankommen. Generell gilt: Je frĂŒher die Airline die FluggĂ€ste informiert, desto grĂ¶ĂŸere Unterschiede zur ursprĂŒnglich gebuchten Flugzeit mĂŒssen hingenommen werden.

Hat die Airline die Annullierung schon mindestens 14 Tage vor dem Abflug bekanntgegeben, dann stehen den FluggĂ€sten keine Ausgleichszahlung zu, allerdings kann man dann immer noch den Flug stronieren und das Geld zurĂŒckerhalten.

Hat ein außergewöhnlicher Umstand zum Flugausfall gefĂŒhrt, dann muss die Airline keine Ausgleichszahlungen leisten, allerdings die Passagiere trotzdem betreuen und die Weiterreise ermöglichen. Welche genauen UmstĂ€nde zu den „außergewöhnlichen“ zĂ€hlen, ist gesetzlich nicht genau geregelt, schlechte Wetterbedingungen wie StĂŒrme werden aber grundsĂ€tzlich als solche angesehen.

Bei so vielen Regelungen ist es nicht einfach, den Überblick zu bewahren. Wer sich nicht sicher ist, findet hier auf Finanztip einen EntschĂ€digungsrechner sowie auch gleich einen Musterbrief, um die AnsprĂŒche geltend machen zu können.

Die Pflichten des Fluggastes

Wer Opfer eines Flugausfalls wird, der hat gewisse AnsprĂŒche – soviel steht fest. Doch was muss man beachten, um diese auch tatsĂ€chlich einfordern zu können? Wichtig ist, dass man in jedem Fall rechtzeitig am Flughafen erscheint – auch dann, wenn man bereits vor der Anfahrt dorthin vom Ausfall weiß (es sei denn die Fluggesellschaft gibt ausdrĂŒcklich andere Anweisungen). Der Grund dafĂŒr ist, dass oft kurzfristig ErsatzflĂŒge angeboten werden – ist der Gast jedoch nicht anwesend und kann diesen Ersatzflug somit nicht antreten, verfĂ€llt jeglicher Anspruch auf weitere Versorgungs- oder Ersatzleistungen. Den Flughafen sollte man außerdem erst dann wieder verlassen, wenn die Fluggesellschaft ihr ausdrĂŒckliches Okay dafĂŒr gibt bzw. selbst fĂŒr einen Transport ins Hotel sorgt.

Stehen einem EntschĂ€digungsansprĂŒche zu, mĂŒssen diese zudem nach der Ankunft zuhause vom Fluggast selbst geltend gemacht werden, wobei lĂ€nderspezifische Fristen fĂŒr deren Verfall gelten – in Deutschland beispielsweise drei Jahre. FĂŒr rechtlich weniger Versierte empfiehlt es sich, fĂŒr diese Geltendmachung Rechtsexperten, etwa spezielle Flugrechtsunternehmen, hinzuzuziehen, die bei Ungereimtheiten professionell reagieren können.

Auf Portalen wie FlightStats oder FlightAware finden Passiere auch im Nachhinein ĂŒbrigens noch heraus, wie viel VerspĂ€tung der Flug genau hatte.

Was Àndert sich an der Situation, wenn der Flug wegen Insolvenz der Fluglinie ausfÀllt?

Wow Air, Germania, Airberlin – das sind nur die jĂŒngsten Beispiele fĂŒr Fluglinien, die Insolvenz eingereicht haben. Doch was bedeutet das fĂŒr alle FluggĂ€ste, die bereits ein Ticket fĂŒr Reisen mit diesen Airlines gebucht haben?

GrundsĂ€tzlich sehen die meisten Insolvenzrechtregelungen vor, dass der Flugverkehr nach Einreichen des Insolvenzantrages eingestellt werden muss, was bedeuten wĂŒrde, dass euer Flug definitiv ausfĂ€llt. FĂ€lle wie jener von Airberlin zeigen jedoch, dass dies in der Praxis dennoch nicht immer der Fall sein muss. Wer es darauf ankommen lassen möchte, kann insofern einfach darauf hoffen, dass der Flug trotz Insolvenz wie geplant stattfindet.

Ist dies nicht der Fall, stellt sich die Frage, wer den Schaden tragen muss. Habt ihr den Flug nĂ€mlich nicht direkt bei der betreffenden Fluglinie gebucht, sondern bei einem Pauschalreiseveranstalter, der euch beispielsweise ein Reisepaket aus Hotel, Anfahrt und Sightseeing Touren verkauft hat, besteht euer rechtlicher Anspruch nicht gegenĂŒber der Fluglinie, sondern gegenĂŒber diesem Reiseveranstalter. Der Schaden wird dementsprechend dann auch von diesem bzw. dessen Versicherung getragen.

Auch wenn ihr vor Insolvenzanmeldung ĂŒber Flugvermittlungsunternehmen gebucht habt, könntet ihr GlĂŒck haben: Sofern das Geld noch nicht an die Airline weitergeleitet wurde, könntet ihr es unter UmstĂ€nden gegen Antrang von den Vermittlungsunternehmen zurĂŒckbekommen. FĂŒr den Fall, dass ihr doch direkt bei der Airline gebucht habt, solltet ihr eure AnsprĂŒche genauso anbringen, als wĂ€re der Flug unter anderen UmstĂ€nden abgesagt worden. Besteht eine Insolvenzversicherung, wird diese eure AnsprĂŒche, zumindest bis zum versicherten Maß, abdecken. Solltet ihr eure AnsprĂŒche nicht durchsetzen können, da die Airline nicht zahlt und keine Insolvenzversicherung existiert, so könnt ihr euch bloß noch in die Insolvenztabelle eintragen lassen und darauf hoffen, eure EntschĂ€digungsleistungen aus der Insolvenzmasse zu erhalten. Dies tut ihr ĂŒbrigens am besten, indem ihr das zustĂ€ndige Insolvenzgericht kontaktiert. Die tatsĂ€chlichen Chancen, hier Leistungen zu beziehen, sind allerdings unglĂŒcklicherweise sehr gering, weshalb ihr in den meisten FĂ€llen wohl selbst auf den Kosten sitzen bleibt. Das betrifft leider auch FolgeschĂ€den wie etwa im Zielland gebuchte Hotels, Mietwagen oder Tickets fĂŒr AusflĂŒge und Sightseeing-Touren.

Was tun bei Flugausfall aufgrund von Insolvenz der Fluggesellschaft

Habt ihr das Ticket ĂŒbrigens ĂŒber einen sogenannten Codeshare-Partner gebucht, also eine andere Fluglinie, deren Strecken teilweise von der in Insolvenz gegangenen Airline betrieben werden, liegt die Verantwortung, die Reise dennoch zu ermöglichen oder fĂŒr Ersatzleistungen und EntschĂ€digungen zu sorgen, bei diesem Codeshare-Partner. Auch wenn statt der Fluglinie, der Reiseveranstalter pleite geht, sieht die Sache anders aus – diese Reiseveranstalter sind nĂ€mlich, zumindest in Deutschland, im Gegensatz zu Airlines dazu verpflichtet, eine entsprechende Insolvenzversicherung abzuschließen, die in diesen FĂ€llen zumindest fĂŒr einen Teil eurer AnsprĂŒche aufkommt.

Sitzt ihr aufgrund der Insolvenz nicht zuhause, sondern im Urlaubsland fest, ist die Sache noch kniffliger. Oft versuchen die insolventen Airlines, Notlösungen anzubieten, weshalb ihr diese nach Bekanntwerden der Insolvenz unverzĂŒglich kontaktieren solltet. Prinzipiell kann es aber passieren, dass ihr auch in diesem Fall auf allen weiteren Kosten sitzen bleibt und euch zudem selbst um die Organisation eurer anderweitigen RĂŒckreise kĂŒmmern mĂŒsst. Bei der Vorsorge fĂŒr solche FĂ€lle kann der Abschluss einer Reiseversicherung helfen – habt ihr eine solche abgeschlossen, stellt sicher, sie direkt bei Bekanntwerden der Insolvenz zu kontaktieren, um die weitere Vorgehensweise und alle bestehenden AnsprĂŒche abzuklĂ€ren.

Ihr seid nicht sicher, welche Reiseversicherung ihr fĂŒr den Notfall am besten abschließen sollt? Wir helfen euch weiter: Tipps zur Reiseversicherung: Welche Versicherung brauche ich?

Dem Risiko vorbeugen

Das alles ist schön und gut, aber kann man sich vor FlugausfĂ€llen vielleicht im Vorfeld schon schĂŒtzen? Ja und Nein. Flugannullierungen können bei praktisch jedem Flug passieren – mal gibt es technische Probleme, mal unvorhergesehene Personalschwierigkeiten, mal plötzliche WetterumschwĂŒnge. Wirklich schĂŒtzen kann man sich vor gecancelten FlĂŒgen also nicht; es gibt jedoch einige Möglichkeiten, das Risiko eines Ausfalls bzw. den Schaden in einem solchen Fall möglichst gering zu halten:

  1. Man kann sich im Vorfeld ĂŒber angekĂŒndigte Streiks informieren, da solche PersonalwiderstĂ€nde unweigerlich zu AusfĂ€llen fĂŒhren. Bereits vor dem eigentlichen Streik mĂŒssen oft bereits FlĂŒge gestrichen werden und der normale Flugverkehr lĂ€uft oft auch erst wieder langsam an. Viele Personalstreiks kommen aber nicht ĂŒberraschend, sondern werden schon Tage vorher angekĂŒndigt, was zumindest kurzentschlossenen Reisenden die Möglichkeit bietet, bei anderen Linien zu buchen bzw. umzubuchen.
  2. Man sollte sich vor der Buchung eines Fluges nach der Wetterlage im jeweiligen Gebiet erkundigen. LĂ€nder, in denen zu gewissen Jahreszeiten besondere WetterverhĂ€ltnisse herrschen, sind in dieser Zeit natĂŒrlich auch anfĂ€lliger fĂŒr FlugausfĂ€lle, was unbedingt als EventualitĂ€t eingeplant werden sollte.
  3. Der simpelste und gleichzeitig wohl wichtigste Tipp: Vorbereitet sein. Gerade wenn man in ein Land fliegt, mit dem man noch nicht sonderlich vertraut ist oder dessen Sprache man nicht beherrscht, sollte man sich im Vorfeld ĂŒberlegen, was im Falle des Falles wichtig wĂ€re. Das Handy vor der Reise nochmal voll aufzuladen, die Kontaktdaten der Fluggesellschaft auf Papier ausgedruckt mitzubringen sowie die Adresse und Telefonnummer der lokalen Botschaft zu kennen, kann im Notfall Ă€ußerst hilfreich sein, genau wie das Wissen ĂŒber eventuelle alternative Abreisemöglichkeiten, etwa per Bahn, Bus oder Mietwagen. Auch der Abschluss einer Reiseversicherung ist, wie oben erwĂ€hnt, generell ratsam.

FlugausfĂ€lle sind immer Ă€ußerst unangenehm, aber dank rechtlicher Absicherungen, zumindest in Europa, glĂŒcklicherweise weitaus weniger problematisch und finanziell belastend als vielleicht erwartet. Wichtig ist, sich im Fall des Falles ehestmöglich mit der Fluggesellschaft in Verbindung zu setzen und sich im Vorfeld gut zu informieren – dann kann man selbst im Notfall entspannt bleiben. Wir wĂŒnschen eine schöne – möglichst komplikationsfreie – Reise!

Der Artikel wurde 2014 veröffentlicht und im Juli 2019 ĂŒberarbeitet. Die Regelungen und Informationen sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell, können sich aber jederzeit Ă€ndern, daher am besten im Fall der FĂ€lle ĂŒber die aktuelle Rechtslage informieren und sich an die Instruktionen der Airlines halten.

Hier haben wir ein paar Tipps fĂŒr den Fall der FĂ€lle und auch dazu, wie man unangenehme Situationen am Flughafen vermeiden kann:

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